Herbert Zagler ist am 4. April 2026 verstorben. Nach Michael Radulescu und Thomas Daniel Schlee war er der dritte Organist, dessen Werke mehrfach von der ÖGZM aufgeführt wurden.
Es wäre jedoch unzureichend, sein Wirken allein auf die Tätigkeit als Organist zu beschränken. Herbert Zagler wurde am 20. April 1940 in Pernitz bei Wiener Neustadt geboren. Bereits in früher Kindheit erhielt er Unterricht in Violine, Klavier und Orgel – Instrumente, die er bis an sein Lebensende meisterhaft beherrschte.
Er studierte an der Universität Wien Theologie, Germanistik und Musikwissenschaft und legte dort auch die Lehramtsprüfung für Komposition bei Prof. Otto Siegl ab. Es folgten Studien und Prüfungen in Schlagwerk und Dirigieren, die er beide mit Auszeichnung abschloss.
Seit 1957 wirkte er als Organist, Kantor und Chorleiter in seiner Heimatpfarre und war darüber hinaus auch am Dom in Wiener Neustadt tätig. Zudem war er Musikpräfekt im Knabenseminar Mattersburg und unterrichtete am dortigen Gymnasium.
Herbert Zagler schuf zahlreiche Werke der Kammermusik, war Mitglied verschiedener Ensembles im Bezirk Wiener Neustadt und wirkte in mehreren Amateurorchestern als Konzertmeister. Einen besonderen Schwerpunkt seines kompositorischen Schaffens bildeten Chorwerke – a cappella oder mit Begleitung – für die Hochfeste des Kirchenjahres. Darüber hinaus komponierte er selbstverständlich auch für Klavier und Orgel. Der Großteil seines Werkes steht in engem Zusammenhang mit der katholischen Liturgie.
Seine musikalische Sprache ist zeitgenössisch, ohne sich jedoch der Techniken der avantgardistischen Moderne zu bedienen. Am ehesten lässt sich sein Stil mit jenem von Anton Heiller und Thomas Daniel Schlee vergleichen. Seine Werke fanden auch bei einem Publikum großen Anklang, das mit zeitgenössischer Musik ansonsten nur wenig Berührung hatte, etwa bei Kirchenkonzerten in ländlichen Regionen. Gerade darin liegt eine besondere Qualität seiner Musik: Sie verbindet moderne Ausdrucksformen mit unmittelbarer Zugänglichkeit.
Mit Herbert Zagler verliert die österreichische Musiklandschaft einen vielseitigen Musiker, Komponisten und Pädagogen. Wir gedenken seiner in Ehrfurcht und Dankbarkeit.